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Arbeitskampf

20-Stunden-Streik bei der Bahn ab Mittwochabend

Berlin / Lesedauer: 3 min

Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu einem 20-stündigen Streik bei der Deutschen Bahn ab Mittwochabend aufgerufen. Der Schwerpunkt liegt am Donnerstag.
Veröffentlicht:14.11.2023, 18:27

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Die Lokführergewerkschaft GDL hat zu einem 20-stündigen Streik bei der Deutschen Bahn mit Schwerpunkt am Donnerstag aufgerufen. Wie die GDL am Dienstag mitteilte, soll der Ausstand am Mittwochabend um 22.00 Uhr beginnen und am Donnerstagabend um 18.00 Uhr enden. Die Gewerkschaft will damit ihren Tarifforderungen Nachdruck verleihen.

Kritik an Gewerkschaft GDL

„Der Unmut der Beschäftigen ist groß, ihre Anliegen sind legitim“, begründete der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky den Streikaufruf für die bei ihr organisierten Lokführer, Zugbegleiterinnen, Fahrdienstleiter sowie Angehörige weiterer Berufsgruppen. „Jetzt ist die Zeit, Verbesserungen zu erzielen, das duldet keinen Aufschub“, hob er hervor.

Die Deutsche Bahn kritisierte das Vorgehen der GDL scharf. Personalvorstand Martin Seiler verwies auf von dem Unternehmen angebotene Lohnerhöhungen um elf Prozent sowie bereits anberaumte weitere Verhandlungsrunden.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die entscheidenden Gremien der Gewerkschaft einen grundsätzlichen Streikbeschluss gefasst hatten. Die Deutsche Bahn reagierte empört auf die Streikpläne – eigentlich sollte am Donnerstag die nächste Verhandlungsrunde beginnen.

Bahn: "Streik ist völlig unnötig"

Die Vertreter der GDL und der DB hatten sich vergangenen Donnerstag zur ersten Verhandlungsrunde für einen neuen Tarifvertrag getroffen und nach einigen Stunden die weiteren Gespräche auf Donnerstag, 16. November, vertagt. „Das ist eine Zumutung für die Bahnreisenden. Dieser Streik ist völlig unnötig“, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler laut einer Mitteilung am Dienstagabend. Die Lokführergewerkschaft ignoriere Absprachen und handele verantwortungslos.

Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen unter anderem 555 Euro mehr pro Monat für die Beschäftigten sowie eine Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro. Als Knackpunkt gilt bereits jetzt die Forderung nach einer Arbeitszeitreduzierung von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich.

Streitpunkt weniger Arbeitszeit

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hatte in den vergangenen Tagen an dieser Stelle zwar Kompromissbereitschaft angedeutet, etwa eine Reduzierung in Schritten angedeutet. Die Bahn hält eine Arbeitszeitreduzierung aber grundsätzlich für nicht realisierbar. DB-Personalvorstand Seiler hat seinerseits beim Verhandlungsauftakt in der vergangenen Woche eine elfprozentige Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von 32 Monaten angeboten.

Der GDL-Aufruf zum Arbeitskampf richtet sich nicht nur an Beschäftigten der Deutschen Bahn, sondern auch an jene anderer Unternehmen, bei denen die Gewerkschaft derzeit neue Tarifverträge verhandelt. „Die GDL ruft Lokomotivführer, Zugbegleiter, Werkstattmitarbeiter und Disponenten in allen Unternehmen und zusätzlich Fahrdienstleiter und weitere Berufsgruppen bei DB Netz zum Streik auf“, hieß es in der Mitteilung.

Nur kleine Gewerkschaft

Die GDL ist die kleinere von zwei Gewerkschaften bei der Bahn. Sie vertritt viele Lokführer, verhandelt aber auch für weitere Berufsgruppen, etwa Zugbegleiter oder Teile der Verwaltung. Die Bahn wendet die Tarifverträge der GDL bisher in 18 von rund 300 Betrieben an und betont, von den nun begonnenen Tarifverhandlungen seien lediglich rund 10.000 Bahnbeschäftigte betroffen. Zum Vergleich: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG verhandelte im Frühjahr und Sommer neue Tarifverträge für gut 180.000 DB-Beschäftigte.

Das Potenzial für große Beeinträchtigungen im Bahnverkehr ist bei GDL-Arbeitskämpfen dennoch groß – eben weil vor allem viele der eminent wichtigen Lokführer Mitglieder sind. Zudem ruft die GDL auch explizit jene Gewerkschaftsmitglieder zum Ausstand auf, die nicht in den 18 Betrieben arbeiten, in denen nach GDL-Tarifverträgen bezahlt wird.