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Wo Oma im Hühnerstall nicht nur Motorrad fährt

Im einstigen Kornspeicher (im Hintergrund) und auf dem 15 000 Quadratmeter großen Freigelände wird geschichtsträchtige Technik gezeigt.

Werner Gottschalks Traktor steht nicht in der Ausstellung neben all den gewienerten „Lanz“ und „Famulus“, sondern zu Hause auf seinem Hof. „Der ist ...

Werner Gottschalks Traktor steht nicht in der Ausstellung neben all den gewienerten „Lanz“ und „Famulus“, sondern zu Hause auf seinem Hof. „Der ist von Anfang der sechziger Jahre, also so rund fünfzig Jahre alt, aber kein Museumsstück. Mit dem arbeite ich noch“, verrät der einstige LPG-Handwerker Gottschalk lachend und ergänzt: „Aber das hier ist schon eine feine Sache“. Das hier – das ist das nagelneue Fahrzeug- und Technikmuseum in Fürstenau, das Gerhard Eberwein am Wochenende mit einem Oldtimertreffen eröffnet hat. Er hat den halbverfallen einstigen Kornspeicher ausgebaut und zeigt hier seine zwei- und vierrädrigen Lieblinge, die bislang den Augen der Öffentlichkeit verborgen waren. „Das ist ein F 8, Baujahr 41“, gibt Jens Pagel aus Prenzlau mit leuchtenden Augen Expertenwissen preis. „Ich baue auch gerade an so einem, der ist fast fertig“, sagt er und streicht dem dunkelgrünen Schmuckstück mit der markanten Schnauze über die Karosse. Am Auto daneben bleibt der Blick von Landrat Dietmar Schulze hängen: „Ein Wartburg 311. Mein Lieblingsauto. So einen habe ich von 78 bis 85 gefahren, dann gabs keine Ersatzteile mehr und ich bin auf einen Trabbi umgestiegen“. Jens Koeppen aus Schwedt entdeckt einen roten, luftbereiften Roller: „So einen hatte ich auch“. Als der Bundestagsabgeordnete vor vier Jahren den fraktionsübergreifenden „Parlamentskreis Automobiles Kulturgut“ mit ins Leben rief, ging es im Prinzip um dasselbe wie in diesem Museum: mit Oldtimern ein Stück Technikgeschichte erhalten. „Das Museum ist toll, ich denke, die Fördermittel der EU sind hier sinnvoll investiert“, sagt Koeppen – nicht ohne die Kindeheitserinnerung auf sein Smartphone gebannt zu haben.
65 000 Euro Fördermittel aus dem ILE/Leader-Programm zur Unterstützung des ländlichen Raums sind in das Museum geflossen. Für Regionalmanagerin Jana Thum ist damit ein interessantes Angebot entstanden: „Im benachbarten Buchenhain gibt es Übernachtungsmöglichkeiten und die Naturseifenmanufaktur, die auch mit EU-Mitteln gefördert wurden. Mit diesem Museum ist eine gute Vernetzung möglich“. Werner Gottschalk jedenfalls ist froh, dass in den Ort nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern wieder mehr Leben einzieht. „Früher war hier die LPG ,Immer bereit‘, im großen Saal war Disco, da sind die Leute von überall her gekommen. Und heute, wer kennt denn heute Fürstenau?" Seit dem Wochenende auf alle Fälle ein paar begeisterte Technikfans mehr.