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Wolfsmilch hat viele Gesichter

Fünf Vertreter der großen Wolfsmilch-Familie: Die Gold-Wolfsmilch (oben), der Christusdorn, die Mittelmeer-Wolfsmilch, der Weihnachtsstern und die Walzen-Wolfsmilch (unten v.l.n.r.)  FOTO: Bettina Banse, Jens Schierenbeck, Caroline Seidel, christiane Bach

Rizinus, Weihnachtsstern und Maniok bilden eine große Familie. Sie gehören zu den Wolfsmilchgewächsen, zu denen außerdem die Lieferanten einiger ...

Rizinus, Weihnachtsstern und Maniok bilden eine große Familie. Sie gehören zu den Wolfsmilchgewächsen, zu denen außerdem die Lieferanten einiger wichtiger industriellen Grundstoffe zählen. Der Milchsaft des südamerikanischen Vetters Kautschuk wird zum Beispiel als Rohstoff zur Herstellung von Gummi genutzt. Den Verwandten Rizinus findet man im Hausgarten. Ihn kennen Hobbygärtner als eindrucksvolle einjährige Zierpflanze namens Wunderbaum, die selbst in unseren Breiten zwei Meter hoch wird. „Besonders beliebt ist die rotlaubige Sorte“, sagt Ehrentraud Bayer, Sammlungsdirektorin des Botanischen Gartens München-Nymphenburg. „Schon im alten Ägypten wurde Rizinus angebaut, um aus den Samen Öl zu gewinnen.“ Das als Abführmittel bekannte Öl verwendet die Industrie zur Herstellung von technischen Ölen und für Pflaster.

Auch die zur Familie gehörende Gattung Wolfsmilch (Euphorbia) ist mit über 2000 Arten unvergleichlich vielfältig – ein Grund, warum der Bund deutscher Staudengärtner die Wolfsmilch zur „Staude des Jahres 2013“ kürte. Bekannte Vertreter sind Weihnachtstern und Christusdorn. Viele der dekorativen Stauden im Garten sind im Frühjahr besonders attraktiv. Das liegt aber nicht an ihren Blüten, die eher unscheinbar sind, wie Bayer erläutert. Stattdessen wirken die Hochblätter wie Blüten. Typischerweise kennt man das vom Weihnachtsstern. Seine oberen Blätter sind zu Weihnachtszeit rot gefärbt.

Giftiger Milchsaft kann Hautreizungen auslösen

Im Garten schmücken sich die Wolfsmilcharten mit grünlich-gelben, feurig-orangefarbenen oder weinroten Hochblättern. „So entsteht der Eindruck einer Blütenzeit, die über viele Wochen anhält“, sagt Wolfgang Härtel, Vorstandsmitglied im Bund deutscher Staudengärtner.

Einige Euphorbien haben eine weitere, eher ungewöhnliche Fähigkeit: Ihr Stamm kann Wasser speichern, und sie haben zu Dornen umgebildete Kurztriebe – wie Kakteen. Das liegt daran, dass viele sukkulente Arten der Wolfsmilch vor allem in Afrika wachsen, erläutert Bayer. Sie haben dort einen ähnlichen Anpassungsprozess an das Klima durchgemacht wie die Kakteen im trockenen Amerika. Unterscheiden kann man beide anhand ihrer Blüten: „Kakteen haben große Blüten, während die Euphorbien recht kleine haben“, erläutert die Biologin.

Ein typisches Kennzeichen der Wolfsmilch-Arten ist ihr weißer Milchsaft. Er verschließe die Wunden rasch und wehre Fraßfeinde ab, erklärt Bayer. Die giftige Flüssigkeit trete schon bei kleinen Verletzungen aus. Daher rät die Expertin Gärtnern, dass sie vorsichtig mit den Pflanzen umgehen und bei Arbeiten grundsätzlich Handschuhe tragen, um Reizungen der Haut und Schleimhäute zu vermeiden.

Die meisten winterharten Euphorbien bevorzugen das sonnige Staudenbeet. Eine ganze Reihe verträgt Trockenheit, erklärt der Staudengärtner Härtel aus Potsdam-Bornim. Dazu gehören die Zypressen- und die Steppen-Wolfsmilch mit ihren feinen, fast nadelartigen Blätter sowie die Walzen-Wolfsmilch mit blaugrauem Laub.
Mit Ausnahme der Sumpf-Wolfsmilch, die sowohl im Beet als auch am Teichrand gut wächst, bevorzugen Stauden-Euphorbien einen durchlässigen Boden. Gärtner verwenden die dekorativen Gartenpflanzen vor allem wegen ihrer in vielen Fällen regelmäßig angeordneten Blättern gerne zur Beetgestaltung. Sie kommen im Frühjahr in die Erde. Bei allen sommergrünen Arten verzichtet der Hobbygärtner am besten auf einen Rückschnitt, denn die trockenen Triebe schützen die Pflanze im Winter vor dem Erfrieren.

Alle anderen Arten, die im Winter ihr Laub halten, werden nach dem Verblühen am Boden abgeschnitten. Die Pflanzen treiben rasch wieder aus, so dass im Beet nicht lange eine Lücke ist. „Einzig die Walzen-Wolfsmilch wird nicht komplett zurückgeschnitten“, sagt Härtel. Er empfiehlt, nur die Blütenstände abzuschneiden. Der Staudengärtner rät außerdem, die winterharten und wintergrünen Arten der Garten-Wolfsmilch in den kalten Wochen trotz ihrer Widerstandsfähigkeit im Auge zu behalten.