Andreas Dresen gibt Konzert mit Gundermann-Liedern

Im Mai jubelten Andreas Dresen (links) und Andreas Scheer über ihre Filmpreise.
Usedom

Andreas Dresen gibt Konzert mit Gundermann-Liedern

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26. Juni 2019

Zusammen mit Alexander Scheer, dem Hauptdarsteller seines Gundermanns-Film, wird Andreas Dresen zwei Konzerte mit Gundermann-Liedern auf der Insel Usedom bestreiten. Vorab sprach Frank Wilhelm mit ihm.

Man müsste Sie ja nun eigentlich Professor Dresen anreden, oder?

Formal ja. Ich lege aber keinen besonderen Wert auf solche Titel.

Wie gefällt Ihnen der Job als Professor für Filmschauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock?

Das macht viel Spaß, weil es für mich auch inspirierend ist, mit jungen Menschen zu arbeiten und mit deren Fragen und Ideen konfrontiert zu sein. Da kann auch ich viel lernen. Außerdem gibt es eine Menge Freiheit, diese Ausbildung auszugestalten. Mein Job ist ja vor allem, den Schauspielstudenten die Arbeit vor der Kamera näherzubringen. Wir werden jetzt im Sommer beispielsweise kleine Filme miteinander drehen.

Sie haben mit Axel Prahl und Alexander Scheer auch gleich zwei Prominente nach Rostock geholt.

Am 11. Juli kommt als nächste Katharina Thalbach. Ich habe die neue Reihe „Fokus Film“ an der HMT gegründet, die zweimal im Semester stattfindet. Die Idee dahinter ist, dass die Studenten zum einen mit Leuten aus der Praxis zu tun haben, beispielsweise sehen, wie Schauspieler-Biographien verlaufen können. Zum anderen möchte ich die HMT weiter für das Publikum öffnen. Es gibt deshalb immer einen öffentlichen Part am Abend und einen Teil, der ausschließlich für die Studenten gedacht ist.

Halten Sie richtige Vorlesungen?

Es sind Seminare, aber ich erzähle viel und zeige Beispiele. Besonders die Einführungswochen zur Kameraarbeit sind durchaus theoretischer Natur, wenn ich beispielsweise Abläufe am Set oder auch technische Details erkläre. Damit die Schauspieler, wenn sie später am Drehort damit konfrontiert sind, auch wissen, was das bedeutet.

Sie spielen in Zinnowitz und Heringsdorf auf Einladung des Anklamer Theaters, das der Hintergrund Ihres ersten Kinofilms „Stilles Land“ war. Gibt es für Sie eine besondere Beziehung zu dem Theater?

Selbstverständlich, wir haben dort Anfang der 90er Jahre eine lange Zeit für die Dreharbeiten verbracht, ich war auch danach immer wieder in Anklam. Zusammen mit Axel Prahl haben wir einige Konzerte in Heringsdorf, Zinnowitz und Barth gespielt. Es grenzt an ein Wunder, dass es das Theater noch gibt. Das war damals bei unseren Dreharbeiten nicht abzusehen und ist ein großer Verdienst der Leute, die über Jahrzehnte zu dem Haus gestanden haben.

Zwei Konzerte hintereinander. Bleibt dazwischen Zeit für Badespaß?

Viel nicht. Aber ein paar Stunden für einen Strandspaziergang werden abfallen. Gerade in Heringsdorf muss man ja nur kurz durch die Dünen gehen und kann in die Ostsee springen.

Hand aufs Herz, sind Sie als in der DDR Geborener Fan der Badehose oder der ostdeutschen Freikörperkultur?

Ich bin tendenziell eher Nacktbader, wenn ein FKK-Strand da ist. Ich hasse nasse Badesachen.

Die Band ist für Sie ein „Spaßprojekt“. Wie viel harte Arbeit steckt dahinter?

Schon eine Menge. Wir haben bereits lange vor dem Gundermann-Film Musik gemacht, aus Freude an der Sache und weil wir gerne zusammen abgehangen und ein Bierchen getrunken haben. Da wir aber auch Gundermann-Songs gespielt haben, gab es immer wieder Anfragen, und dann wurden die Veranstaltungen plötzlich größer. Damit steht man in der Pflicht, dass die Qualität, die man abliefert, auch stimmt. Insofern müssen wir auch proben, was mir aber glücklicherweise sowieso am meisten Spaß macht.

Warum?

Man ist geschützt und kann miteinander neue Dinge ausprobieren. Alles hat sich zu einer professionellen Angelegenheit entwickelt. Wir spielen diesen Sommer zwölf Konzerte, teilweise auch in großen Locations mit bis zu 1000 Leuten. Da muss man sich schon befleißigen, man möchte sich ja nicht blamieren.

Sie gastieren mit Gundermann-Liedern in München. Wie funktionieren die Songs im Westen?

Wir haben Ende 2018 in Bonn, im Haus der Geschichte, gespielt. Davor war ich auch skeptisch. Aber die Veranstalter haben uns gesagt, sie hätten das Konzert zweimal ausverkaufen können. Es war eine sensationelle Stimmung. Gundermann hat durch den Film viele neue Fans gewonnen, die über den Soundtrack auch auf seine Originalalben gestoßen sind. Ich bin gespannt, wie es in München geht, wo wir auf einer großen Open Air-Bühne spielen.

Mit dem Gundermann-Film wollten sie auf differenzierte Art über den Osten erzählen. Welche Resonanz haben Sie damit im Westen erlebt?

Insgesamt hat mich die Reaktion auf den Film extrem überrascht, und zwar positiv. Ich hatte durchaus mehr polemische Reaktionen erwartet, weil wir ja auch einen Stasi-Spitzel zeigen, den wir nicht in Bausch und Bogen verdammen, sondern bei dem wir genauer auf die biografischen Brüche schauen. Die Reaktionen waren insbesondere aus dem Westen durchgehend positiv bis begeistert.

Und im Osten?

Die meisten euphorisch, vielleicht knapp zehn Prozent negativ. Von den Kritikern im Osten meinte die eine Hälfte, es sei viel zu viel Stasi im Film. Die anderen sagten, über einen Stasi-IM darf man gar keinen Film machen. Ich habe lange Mails bekommen, in denen viele Menschen mir ihre eigene Geschichte erzählt haben. Der Film hat durchaus zu einer gesellschaftlichen Debatte geführt, was mich riesig
gefreut hat.

Es gab viel Lob für den Gundermann-Film und den Filmpreis für die beste Regie für Sie. Besteht die Gefahr, dass Sie nach einem solch großen Projekt in ein Loch fallen?

Ich arbeite ja kontinuierlich und warte nicht ab, bis ein Film rauskommt, um dann was Neues anzufangen. Meistens laufen einige Projekte parallel. Als wir Gundermann noch geschnitten haben, habe ich mit Drehbuchautorin Laila Stieler längst an einem neuen Projekt gearbeitet. Ich hoffe, dass wir 2020 wieder drehen können.

Können Sie noch etwas über das neue Projekt sagen?

Nicht unbedingt, man sollte so etwas nicht totquatschen. Es ist auf jeden Fall mal ganz was anderes und hat mit der DDR gar nichts zu tun.

Sie wurden mit Preisen überhäuft, jetzt fehlt doch nur noch der Oscar?

Ach, das ist so eine Sache. Meine Kollegin Caroline Link, die den Oscar 2003 für „Nirgendwo in Afrika“ bekam, hat in einer Podiumsdiskussion auf die Frage, wie sich durch den Oscar ihr Leben geändert hat, die schöne Antwort gegeben: „Sie können mich mal fragen, ob mein Kind mein Leben verändert hat?“ Das fand ich sehr sympathisch und bodenständig. Ich schiele eh nicht zu den amerikanischen Mainstream-Filmen. Ich würde lieber noch einmal nach Cannes fahren.

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Fotos: Jens Kalaene