Die richtige Ernährung mit Ayurveda?

Kirsten Mälzer bringt den Aryuveda-Trend nach Norddeutschland.
Ayurveda aus MV

Die richtige Ernährung mit Ayurveda?

von: Marina Spreemann
14. Juni 2019

Kirsten Mälzer hat lange nach der passenden Ernährung gesucht – und sie mit Ayurveda gefunden. Nun will sie auch anderen zeigen, wie gut die asiatische Lehre nach Norddeutschland passt.

„Nein“, sagt Kirsten Mälzer, „ich esse nicht jeden Tag indisch.“ Allerdings vermuten das viele Neugierige, wenn sie erzählt, dass sie sich nach den Regeln des Ayurveda ernährt und immer mehr auch danach lebt. „Mich fasziniert dieses 5000 Jahre alte Gesundheitskonzept sehr, weil es so umfassend ist, auf Körper, Geist und Seele zielt“, sagt die 59-Jährige aus Teschendorf.

Schon immer habe sie nach einer guten Ernährung für sich gesucht. „Seit 40 Jahren esse ich kein Schweinefleisch, habe bereits in meiner ersten eigenen Wohnung in Köln immer genau geschaut, wo ich Lebensmittel kaufe.“ Zwischendurch habe sie auch die mediterrane Kost mit viel Olivenöl, Gemüse, Kräutern und Fisch ausprobiert und durchaus für gut befunden.

Auf Suche nach einer neuen Berufung

Zum Ayurveda sei sie dann gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“. Freunde haben sie überredet zu einer Panchakarma-Reinigungskur in Sri Lanka. Das war 2013. Allerdings habe sie nicht gleich Hurra gerufen. Sri Lanka und Indien standen nicht auf ihrem Reiseplan. „Das feucht-heiße Klima ist gar nicht meins.“ Und preiswert ist so eine Kur auch nicht. Aber schließlich willigte sie ein – und war am Ende begeistert. „Die Ernährungsumstellung bekam mir gut, allein die tropischen Früchte schmecken dort grandios. Die Massagen taten sehr gut, weil den Verspannungen auf den Grund gegangen wird. Das tut weh. Drei Wochen Schmerzen – und dann nichts mehr“, erinnert sie sich. „Die Herangehensweise fand ich klasse.“

Dabei sei es durchaus gewöhnungsbedürftig, das Ghee, eine geklärte Butter, für die Reinigung zu trinken. „Ich musste mich dazu erst überwinden, inzwischen ist es kein Problem mehr.“ Das Ghee erweiche die Schlacken im Inneren des Körpers, die dann nach Massagen vom Körper ausgeschieden werden. „Eine Rosskur, aber danach habe ich mich toll gefühlt.“ Zu Hause habe sie sich dann weiter nach den Ayurveda-Regeln ernährt und zwölf Kilo abgenommen. „Das wollte ich auch gern und habe das bis heute gehalten.“

Expertin rät von Internet-Tests ab

Die Begeisterung für Ayurveda war da – und kam in ihrer Lebenssituation damals genau richtig. Nicht nur weil sich die Ernährungsweise gerade für Frauen in den Wechseljahren gut eigne. „Ich war auf der Suche nach einer neuen Berufung.“ Ihr berufliches Thema Kunstgeschichte sei für sie gerade zu Ende gewesen. „In den Wechseljahren habe ich für mich festgestellt, dass ich jetzt etwas für Menschen machen will, nicht für Objekte.“

Da kam eine Info in einer ayurvedischen Zeitschrift gerade richtig. Kirsten Mälzer begann 2015 in Bad Homburg eine Ausbildung zur Europäischen Ayurvedischen Ernährungsberaterin, die sie 2017 mit einer Prüfung abschloss. Heute steht auf ihrer Visitenkarte: „Beratung in ayurvedischer Ernährung und Lifestyle“.

„Zu mir können Leute kommen, die eine ganz individuelle Ernährung für sich suchen und sich für diesen Lebensstil interessieren.“ Die Beratung beginne mit einer Art Bestandsaufnahme zu Krankheiten und bisheriger Ernährungsweise und der Frage, wozu jemand bereit ist. Sie bestimme dann auch die Konstitution (Dosha) ihres Klienten. Davon werden im Ayurveda drei unterschieden: Vata (trocken, leicht, agil, kalt, rauh, windig), Pitta (heiß, flüssig, sauer, scharf) und Kapha (üppig, sanft, weich, träge, süß, schwer, stabil, klar). Die meisten Menschen haben gemischte Konstitutionen in zahlreichen Nuancen. Ein Grund, warum Kirsten Mälzer wenig von Internet-Tests hält, die zur Dosha-Bestimmung angeboten werden. „Das ist zu oberflächlich. Ich mache das in mehreren Sitzungen.“

Am Ende stellt sie eine individuelle Liste mit Lebensmitteln zusammen, mit denen sich der Interessierte sein Essen maßschneidern, oder besser maß-kochen, kann.

„Bei uns geht es nicht um Nährstoffe oder Vitamine, die Energetik der Nahrung ist wichtig“, erläutert die Beraterin und nennt einige Beispiele. Der Kapha-Mensch solle oft scharf essen – Radieschen, Rettich, Chili, während ein Pitta-Mensch Knoblauch meiden und ein Vata-Mensch Vollkornbrot und Pilze eher weglassen sollte.

Kirsten Mälzer bietet ihre Beratung in Berlin und in Neubrandenburg an. In Berlin sei das Interesse höher als in Neubrandenburg, wo sie zunächst versucht, mit Vorträgen Neugier zu wecken. Die häufigste Frage in Berlin sei: Was ist genau meine passende Ernährung? Während in Mecklenburg eher die Frage gestellt wird: Warum soll ich das denn machen?

Von Muntermachen bis Schmerzlinderung

Die Erwartungen seien bei jedem Einzelnen unterschiedlich. Mancher wolle eine Ernährung, mit der er Krankheiten vorbeugen kann. Andere wollen durch die Umstellung wacher und aktiver werden. Wieder andere wollen Krankheiten wie Arthrose lindern oder abnehmen. Das alles funktioniert aus Sicht von Kirsten Mälzer auch – wenn man ohne Vorurteile über den Tellerrand schaut. „Man braucht Offenheit, aber keinen Glauben daran. Mit Hokuspokus hat Ayurveda nichts zu tun.“

Sie selbst sei inzwischen sehr körperbezogen und überlege beim Essen genau: Was macht das jetzt mit meinem Körper und will ich das? „Und da brauche ich jetzt eben den Schokoriegel zwischendurch nicht mehr.“ Das sei für sie auch gar nicht anstrengend. Kochen sei für sie eine ganz wichtige Tätigkeit. „Wir müssen wieder selbst kochen“, meint die Beraterin. Fertignahrung esse sie gar nicht.

Ihre Lebensmittel kauft sie im Bioladen und auch nur unverpackte Ware. Auch Fleisch aus Massentierhaltung komme bei ihr nicht auf den Tisch. Sie kauft „gutes Fleisch“ – oder schlachtet selbst eines ihrer Hühner. „Ja, das mache ich, aber mit einem hohen Respekt vor dem Tier, das sein Leben gibt, damit ich Fleisch essen kann.“ Wer sich nach Ayurveda ernährt, müsse nicht zwingend Vegetarier sein. Grundsätzlich könne alles gegessen werden. „Wer zu 75 Prozent, vielleicht die Woche über, mit der Ayurveda-Ernährung lebt, der kann am Wochenende auch mal ein Steak auf den Grill legen oder sich ein Eis gönnen.“

Garten verhilft zu Einklang mit der Natur

Das Schöne am Ayurveda sei für sie, dass es sich sehr gut regional und saisonal anpassen lasse. In ihrer Küche verarbeitet sie keinesfalls nur asiatische oder exotische Lebensmittel. „Ich hole vieles aus meinem großen Garten, immer dann, wenn die Zeit dafür reif ist. Jetzt gibt es viel Spargel bei uns, Rhabarber und Wildkräuter. Die Erdbeeren blühen schon.“ Dieses Schwingen mit der Natur und den Jahreszeiten versöhne sie auch mit dem Landleben.

Ayurveda sei so flexibel, dass es nach Europa geholt werden könne und neue Kombinationen ermögliche, die vielleicht ungewohnt seien. Gerade für Norddeutsche sei es wohl schon etwas merkwürdig, Kartoffeln nicht als Beilage, sondern als Gemüse zu essen, und dazu noch Reis oder Hülsenfrüchte. Aber einen Versuch ist es wert.

 

Goldene Regeln für die Ernährung nach Ayurveda:

- Nur drei Mal am Tag essen, keine Snacks zwischendurch

- Die Hauptmahlzeit gibt es mittags

- Warmes und leicht Verdauliches essen

- Milch gibt es nur als Getränk, nicht als Zutat im Essen

- Pro Mahlzeit nur so viel essen, wie in zwei Hände passt

Ayurveda liegt voll im Trend.
Marina Spreemann, Redakteurin beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

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Fotos: Marina Spreemann