Ein Duett mit Helene Fischer - das wär’s!

Vicoria Kern reist seit sechs Jahren als Helene Fischer von Auftritt zu Auftritt.
Helene Fischer-Double

Ein Duett mit Helene Fischer - das wär’s!

von: Johanna Horak
30. April 2019

Die gebürtige Schwerinerin Victoria Kern ist als Helene Fischer-Double so erfolgreich, dass sie ihren Job als Logopädin an den Nagel gehängt hat. Im Interview mit Johanna Horak erzählt die 29-Jährige, warum sie glaubt, der Ausnahmekünstlerin am nächsten zu sein.

Können Sie Helene Fischers Ohrwurm „Atemlos“ denn überhaupt noch hören?

Tatsächlich ja. Also ich freue mich da eigentlich und mache mir da mehr einen Spaß draus, als dass ich mir die Ohren zuhalte und sage ‚Bitte mach das aus‘. Das ist definitiv nicht so. Wenn ich es hochrechne, hab ich bestimmt, und das ist nicht gelogen, schon tausendmal ‚Atemlos‘ gesungen. Aber ich kann nicht sagen, dass ich die Nase voll von dem Lied habe.

Wie viel Victoria Kern steckt im Helene-Fischer-Double?

Ich glaube sehr, sehr viel. Ich bin halt so, und ich will mich auch nicht verbiegen und eine Rolle spielen. Ich werde mit meinem Namen anmoderiert und verabschiede mich auch immer mit meinem Namen. In meinem Intro, das vorab läuft, wird am Ende mein Name gesagt und das ist ganz wichtig, damit es nicht vielleicht doch zu Irreführungen bei dem einen oder anderen Besucher kommt. Also ich fühle mich da nicht als jemand anders, ich bin da ich selbst. Und ich glaube, spätestens nach der Hälfte meines Programmes sieht mich auch keiner als Helene Fischer da oben.

Aber äußerlich versuchen Sie ja schon, eine recht große Ähnlichkeit zu Helene Fischer herzustellen. Wie weit würden Sie da gehen?

Bei allem, was man irgendwie wieder rückgängig machen kann, bin ich wahrscheinlich dabei. Ich hatte ja das große Glück, dass Helene Fischer zu meiner Anfangszeit gerade ihre Haare lang wachsen ließ. So hatten wir 2013 in etwa dieselbe Haarlänge, und ich musste mich nicht großartig verändern. Wenn sie jetzt ihre Haare wieder kurz schneiden und zum Beispiel braun färben würde, dann würde ich da wahrscheinlich auch noch mitgehen. Hätte sie sich jetzt aber Florian Silbereisen auf den Oberarm tätowieren lassen, so wie er das mit ihrem Gesicht gemacht hat, da wär ich natürlich raus gewesen. Ich bin aber froh, dass Helene Fischer nicht tätowiert ist (lacht).

Wie wichtig ist Ihnen eine Ähnlichkeit der Kostüme bei Ihren Auftritten?

Da bin ich dann wirklich Perfektionistin. Der Name Helene Fischer ist natürlich eine große Aufgabe. Das heißt die Leute, die auf mich warten oder mich erwarten, die haben auch einen gewissen Anspruch. Deswegen möchte ich das auch so perfekt, wie es mir nur irgendwie möglich ist, mit meinen Mitteln machen. Ich lasse mir deshalb ihre Outfits nachschneidern.

Es gibt hierzulande einige Helene-Fischer-Doubles. Sie selbst bezeichnen sich als das Helene- Fischer-Double Nummer Eins in Deutschland. Was unterscheidet Sie von den Anderen?

Der größte Unterschied ist, glaube ich, und da kann man auch nichts dafür oder dagegen tun, meine Stimmfarbe. Die macht am Ende den ganz großen Unterschied. Es gibt ja auch viele, die Vollplayback singen, die mit Perücken auftreten, die ihre Kostüme vielleicht in weniger guter Qualität nachschneidern. Ich versuche da wirklich ihrem Stil treu zu bleiben und nehme das Ganze wirklich auch sehr, sehr ernst. Sicherlich gibt es da ein, zwei, die das auch sehr ernst nehmen, aber der entscheidende Unterschied ist halt einfach die Stimmfarbe. Viele denken sicher auch, wenn sie mich sehen: ‚Die sieht doch gar nicht aus wie Helene.‘ Aber das ist auch nicht das Wichtigste, denn ich bin kein ‚look-alike‘. Für das, was ich mache, habe ich letztens erfahren, gibt es ein anderes Wort und das nennt sich ‚sound-alike‘ (lacht).

Also würden Sie sagen, dass die Optik zweitrangig ist?

Ja. Und ich habe das große Glück, dass ich es unbewusst hinbekomme, Gesangsarten oder Redensarten zu übernehmen. Vielleicht liegt es auch an meinem Tun als Logopädin. Und natürlich habe ich das jetzt seit sechs Jahren oft genug gemacht, sodass sich das von ganz allein irgendwie eingeschliffen hat.

Bisher haben Sie Helene Fischer noch nicht getroffen. Ist das ein Wunsch von Ihnen?

Auf jeden Fall. Klar bin ich jetzt ihr Double und verdiene damit mein Geld, aber ich bin auch mittlerweile wirklich ein Fan von ihr. Ich würde sie super gerne treffen und kennenlernen.

Was würden Sie denn als Erstes sagen oder fragen?

Gute Frage. Mich würde natürlich interessieren, ob sie weiß, was ich tue, ob sie weiß, dass es mich gibt. Ich glaube schon, dass sie das weiß, weil wir auch schon mal mit ihrem Management Kontakt hatten. Das ist allerdings einige Jahre her. Ich würde einfach mal gerne ein Lied mit ihr singen und gucken, wie sie reagiert. Ob sie das gut findet oder nicht.

Apropos Duett: Ihr Freund ist als Robbie Williams Double unterwegs. Planen sie eine Zusammenarbeit, sozusagen ein Duett zwischen Helene und Robbie?

Ja, einige Veranstalter wünschen sich das und haben danach gefragt. Bisher gab es allerdings nur ein gemeinsames Duett auf dem 80. Geburtstag meiner Oma. Das war eine absolute Premiere und bisher Ausnahme. Es gab aber schon Veranstaltungen, da wurden wir parallel gebucht. Ansonsten geht da wirklich jeder seinem Tun nach.

Sie machen auch eigene Musik. In welche Richtung geht die?

Meine Bandkollegin und ich arbeiten seit einem Jahr an einem Projekt, das heißt „Bonitaz“. Die Musikrichtung haben wir so gesehen neu geschaffen: den Latin-Schlager. Wir arbeiten an neuen Sounds, an tanzbaren Schlagersounds mit spanischen Einflüssen, sodass es sommerlich und frisch klingt. Mit ein, zwei spanischen Worten, die aber auch jeder Deutsche versteht. Genauso eine Mischung ist das dann. Das klingt alles sehr nach Urlaub und sehr fröhlich, ist auf jeden Fall tanzbar und geht in den Schlagerbereich.

Sie sind eigentlich gelernte Logopädin. Wäre es nicht schön, irgendwann wieder in diesem Beruf zu arbeiten?

Ich muss ehrlich gestehen, dass die Musik einfach eine Leidenschaft von mir ist, auch wenn ich es mir vielleicht am Anfang am allerwenigsten zugetraut habe. Aber jetzt, wo ich „Blut geleckt“ habe, gefällt mir das ganz, ganz toll. Ich habe viele Freiheiten unter der Woche, und ich kann verschiedene Städte bereisen, viele Menschen kennenlernen und natürlich mit Gesang, der bisher immer nur ein Hobby von mir war, Geld verdienen. Aber eine Rückkehr zur Logopädie ist nicht ausgeschlossen, weil mir dieser Beruf definitiv auch Spaß gemacht hat.

Sie kommen gebürtig aus Schwerin und leben seit sechs Jahren in Rostock, sind aber beruflich sehr viel unterwegs. Wie lange werden Sie noch ein Landeskind von MV sein?

Solange es irgendwie geht. Ich liebe es hier zu wohnen und bin ein totaler Rostock-Fan. Und ich sage es mal so: Schlimmer als jetzt kann es eigentlich nicht kommen, weil ich jetzt schon so viele Auftritte, vorrangig im Westen des Landes und in Süddeutschland, habe. Ich müsste eigentlich nach Kassel ziehen, irgendwo in die Mitte Deutschlands, um dann immer nur 300 bis 400 Kilometer maximal fahren zu müssen und überall hinzukommen. Aber gerade jetzt, wo der Sommer losgeht: Ich bin einfach ein Ostseekind. Ich bin verliebt in Rostock und da nehme ich wirklich jedes Wochenende 500 Kilometer mehr in Kauf.

Victoria Kerns nächster Auftritt als Helene-Fischer-Double findet am 28. April um 14 Uhr im Ostsee Center Stralsund statt.

Johanna Horak ist Volontärin beim Nordkurier.

Verfasser

Fotos: Juliane Rhedas/Juliphotography