Junge Frau macht ihre eigene Brett Time Story

Johanna de Voss arbeitet mit Holz
Holzbearbeitung

Junge Frau macht ihre eigene Brett Time Story

von: Stefanie Lanin
6 März 2018

Es gibt Menschen, für die ist Holz nicht einfach nur Holz. Johanna de Vos ist eine von ihnen. Sie spürt das Holz auf ihre ganz eigene Art - und baut daraus wundervolle Dinge.

Für Johanna de Vos ist ein Stück Holz nicht einfach nur ein Stück Holz. Es ist ein Material, das erzählt und berührt. Und wenn aus dem dicken Stamm schmale Bretter geworden sind, wenn diese geschliffen und geölt sind, entsteht am Ende ein Schmuckstück. Eines davon hängt in der gemütlichen Wohnküche der Familie im kleinen Örtchen Krümmel bei Lärz. Die Jahresringe wölben sich wie mecklenburgischer Acker über das Brett, darüber erscheint die Maserung wie Sonnenstrahlen, ein Astloch schwebt als Schatten über der Szene. „Ich weiß noch nicht genau, ob es ein Engel ist oder eine Wolke“, sagt Johanna. Nur dass dieses einzigartige Zusammenspiel so schön ist, dass das schlichte Küchenbrett wie ein Gemälde die Wand über dem kunterbunten Kinderlaufstall gegenüber vom Esstisch schmückt.

Hier in der alten Dorfschule wohnt Johanna, seit sie aus Holland der Liebe hinterherzog. Die Liebe – sie heißt Jakob, ist Privatwaldförster und Ranger im Müritz Nationalpark und versorgt Johanna, die einst als Kuratorin Ausstellungen in Antwerpen organisierte, mittlerweile mit dem Grundstoff für ihr junges Unternehmen „jakob & johanna handmade design“. „Nach dem Umzug aufs Land musste ich mich neu erfinden“, erzählt die 31-Jährige. Und genau genommen hat sie sich schon als Kunststudentin in der akademischen Welt nicht ganz und gar zu Hause gefühlt, hat schon damals viel und gern mit allerlei Naturstoffen gewerkelt, den Umgang mit Geld in der Kunstwelt kritisch beäugt und die Natur vermisst. „Ich bin ja auf dem Lande groß geworden, als Tochter eines Käsebauern“, sagt Johanna. Jetzt wohnt und arbeitet sie am Waldesrand, mit Blick auf weite Felder und hohe Baumkronen. „Von meinem Arbeitsplatz habe ich den schönsten Ausblick der Welt.“

Die Esche sprechen lassen

Im Forstbetrieb der Familie von Maltzahn hat sie gelernt, wie sich Holz bearbeiten lässt – und ihre Leidenschaft für den schönen Rohstoff entdeckt. Eines der ersten Stücke, die dort entstanden, war ein Kinderbettchen für ihre Tochter. „Wunderschön, aber mir war es zu schade um das Eschenholz. Davon sieht man ja nichts mehr“, schildert Johanna. Also suchte sie nach einem Gegenstand, bei dem man das Material erkennen kann. „Und dann bin ich auf das Brett gekommen – etwas Einfacheres gibt es schließlich nicht.“ Im Juli 2015 gründete sie ihre Firma.

Was Johanna fasziniert, ist die Mischung aus Schönem und Nützlichem. „So ein Brett ist ein Küchenutensil, ein Benutzungsgegenstand und doch ästhetisch“, beschreibt sie. Die schöne Kunst aus Holland ist im Mecklenburger Landleben angekommen.  

Mittlerweile macht Johanna nicht nur Frühstücks- und Servierbretter, sondern auch Eierbrettchen mit kleiner Salzablage, Magnetbretter für die Messer in der Küche und Bretter, bei denen ein Stück Rinde eine natürlich geschwungene Kante bildet. Manchmal kommen Touristen in die Werkstatt und schauen beim Schleifen und Ölen zu. Eine Arbeit mit den Händen, die Sorgfalt und Geduld braucht – wie das wunderschöne Brett, das bei Johanna zu Hause auf dem Küchentisch liegt. „Das ist aus einem Alleebaum hier aus dem Dorf entstanden, 250 Jahre alt, mit einem Durchmesser von 1,20 Meter.“ Die Esche, eigentlich ein eher helles Holz, ist im Inneren verkernt und nachgedunkelt. In die Maserungen hat Johanna sich sofort verliebt. „Da kann man sich freuen über das schöne Material – aber dann heißt es warten.“ Zwei Jahre muss das Holz liegen, bevor Säge und Schleifpapier herandürfen, bevor ein Stück für den Alltag entsteht, das so schön ist wie der Baum, aus dem es stammt.

Stefanie Lanin, Redakteurin beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

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Fotos: Stefanie Lanin