Handgemachte Puppen für Kindersorgen

Pärchen sitzt hinter einer Bank auf der Kuscheltiere platziert sind.
Seelentröster Kuscheltier

Handgemachte Puppen für Kindersorgen

von: Gerlinde Bauszus
11. Mai 2018

Mapapus sind einzigartig. Diese Kuscheltiere verströmen etwas, das niemand sonst hat - den Duft von Mama und Papa. Besonders Trennungskindern können die niedlichen Puppen helfen.

Mitten in die Frühlingssonne hinein erblickte dereinst der erste mapapu das Licht der Welt. Das ist jetzt viele Jahre her und mittlerweile hat der kleine Kerl über 500 drollige Geschwister in der weiten Welt. Jede MAma-PApaPUppe – kurz mapapu – ist unverwechselbar. Denn aus all seinen Poren strömt der vertraute Zuhause-Duft, der Geruch von Mama und Papa. Und alles, was nach diesen Lieblingsmenschen riecht, ist einfach gut. Hält man den mapapu im Arm, hat man auch die beiden immer bei sich – ganz egal, wo man gerade ist.

Die Erfinderin von mapapu ist Jennifer Arndt-Lind. Gemeinsam mit ihrem Mann Hendrik und den vier Kindern sind sie eine fröhliche Patchworkfamilie. Als sich das Pärchen aus Niedersachsen vor einigen Jahren fand, brachten beide jeweils ein Kind mit in die Beziehung. Später kamen noch zwei gemeinsame Kinder hinzu. Die Großen hatten von nun an zwei Zuhause. Schnell merkten ihre Eltern, dass die Seele immer mal wieder am Wackeln war. Schier unlösbare Fragen standen ihnen regelrecht ins Gesicht geschrieben: Wo komme ich her? Wo gehöre ich hin? Und wo ist eigentlich mein Platz in diesem ganzen Chaos? „Die zwei brauchten Elternorientierung“, sagt Hendrik. Denn jedes Wochenende gingen die älteren zwei Kinder wechselseitig auf Wanderschaft in ihr jeweils anderes Zuhause. Mit ihnen wanderten die Lieblings-T-Shirts von Mama oder Papa. Bis Jennifer eines Tages einen wunderbaren Geistesblitz hatte. Sie nahm ihr rotes Shirt, holte das gelbe von ihrem Ex-Mann dazu und zauberte daraus eine Mama-Papa-Puppe. So erblickte der erste mapapu das Licht der Welt.

Pure Handarbeit als Sprung in die Selbstständigkeit

„Erst später merkten wir, dass noch ein viel tieferer Sinn in dieser Verbindung steckte“, erzählt Hendrik. „Und zwar eine Möglichkeit für alle sich trennenden Eltern, dem Kind ein Zeichen zu geben: Hier ist dein mapapu und der ist, genauso wie du, aus dem Stoff deiner Eltern gemacht. Zwar gehen wir getrennte Wege, aber in dir sind wir für immer vereint.“ Während einer Trennungssituation sei dies für Kinder mehr als alles andere das wichtigste Zeichen in einer bedrohlich wirkenden Situation. Die optische und geruchsbasierte Verknüpfung der mapapus schaffe Vertrauen, Geborgenheit und eine tiefe Bindung vom ersten Moment an. „Kuscheltiere, die Helden unserer Kindheit und erste große Liebe von uns allen, werden vom Kind beseelt und emotional besetzt – ob als Freund, der zuhört, oder Trostspender.“

Die ersten kleinen Kerle sorgten für ein großes Hallo und helle Begeisterung bei den Kindern. Was ursprünglich als rein private Aktion gedacht war, bekam plötzlich eine Eigendynamik. Der Freundes- und Bekanntenkreis wurde aufmerksam und wünschte sich ebenfalls mapapus. So wagte Familie Lind nach etwa 60 mapapus den Sprung in die Selbstständigkeit. In jedem mapapu stecken zehn bis zwölf Stunden Handarbeit – und eine Herzensgeschichte. Bevor Jennifer die jeweiligen Sweatshirts oder Fleecejacken entgegennimmt empfiehlt sie, diese zu waschen und eine Nacht lang zu tragen. Denn wenn der mapapu später in seinem neuen Zuhause ankommt, ist der Geruch von Mama und Papa noch drin. Und erst, wenn sie nach einem persönlichen Gespräch die Beweggründe kennt, das Woher und Wohin, für wen und weshalb der jeweilige mapapu entstehen soll, beginnt sie mit der eigentlichen Näharbeit.

Kleine Puppen helfen dabei, schwere Verluste zu verarbeiten

Außerdem bekommt jeder mapapu etwas Unverwechselbares, sternen-oder herzförmige Applikation, Engelsflügel, kleine aufgedruckte Sprüche oder eine Geheimtasche. Als Jennifer und Hendrik spürten, wie viel Licht ihre mapapus in die Welt bringen können, gingen sie noch einen Schritt weiter. Neben Trennungskindern sahen sie ein weiteres therapeutisches Anwendungsgebiet: trauernde Kinder und Erwachsene. „Ein mapapu aus der Kleidung des Verstorbenen – als Erinnerung an ein Geschwisterkind, die Großeltern, einen Freund oder für verwaiste Eltern – gibt die Möglichkeit, etwas, das nicht zu begreifen und nicht mehr greifbar ist, ein bisschen begreiflicher zu machen. Trost durch Nähe.“ Inzwischen ist der mapapu auch für kranke oder behinderte Menschen ein Hafen zum Kraft tanken und Mut schöpfen.

So können mapapus Demenzkranken über den vertrauten Geruch Anker in ihr altes Leben sein. Der wandelbare mapapu trägt viele Facetten. Neben Trauer, Trennung, Verlust sind es auch freudige Ereignisse: Geburt, Taufe oder Hochzeit. Eins ist immer gleich, wenn ein mapapu in sein neues Zuhause einzieht, die Freude, die der knuddelige Kerl auslöst. Nicht selten fließen dann Tränen der Rührung, Dankbarkeit, Liebe. Und manchmal ist der mapapuFreund einfach nur sprachlos vor Glück.

Gerlinde Bauszus, Redakteurin beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

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Fotos: mapapu.de