Schauspielhaus zeigt Musical Irma la Douce

Die Darsteller des Musicals Irma la Douce
Musical in Neubrandenburg

Schauspielhaus zeigt Musical Irma la Douce

von: Frank Wilhelm
20. Mai 2019

Von heute an bis Mitte Juni zeigt das Schauspielhaus das Musical Irma la Douce. Josefin Ristau und Michael Goralczyk besetzen die Hauptrollen. Autor Frank Wilhelm hat den Schauspielern bei einer Probe über die Schulter geschaut.

Es geht ernst zu bei der Probe für das Musical „Irma la Douce“. Frank Obermair, der musikalische Leiter des Sommerspektakels am Neubrandenburger Schauspielhaus, hat am Freitag das Sagen. Es geht um die Abstimmung der Töne und Lautstärke zwischen den Sängern, der Live-Band und den Sprechrollen. Hier muss das eine Mikrofon etwas leiser, dort das andere etwas lauter gestellt werden, damit das Publikum in jeder Ecke des Schauspielhauses gut hört. Immer wieder unterbricht Obermair: „Hier spricht nur einer, und das bin ich!“ Er achtet auf jede Silbe, jede Betonung. Gesang und Noten müssen zusammenpassen.

Die Probenzeit ist knapp bemessen

Relativ wenig hat er bei Josefin Ristau und Michael Goralczyk auszusetzen. Die beiden Schauspieler besetzen die Hauptrollen des Musicals „Irma la Douce“, das am kommenden Freitag Premiere feiert. Dass die beiden ihre Soli und Duette gut über die Bühne bringen, mag damit zusammenhängen, dass sie mit dem Pianisten Obermair bereits im Vorfeld der ersten Bühnenproben viel geübt haben. Denn die Zeit ist insgesamt knapp bemessen. Fünf Wochen habe man in der Regel für die Vorbereitung eines Stückes wie die „Irma“, sagt Josefin Ristau.

Sie ist ausgebildete Musical-Darstellerin. Ihr scheinen die Chansons wie auf den Leib geschrieben, darunter Lieder wie „Dis Donc“. Viele Melodien dürften dem Publikum bekannt vorkommen. Die Musik stammt aus der Feder von Marguerite Monnot, die auch zahlreiche Lieder für Edith Piaf komponiert hat. Die Leichtigkeit, mit der Josefin Ristau singt, kann darüber hinwegtäuschen, dass dahinter harte Arbeit steckt. Die Rolle auszufüllen, sei eine Herausforderung. Einerseits wolle Irma ihre Lebenserfahrung zur Schau stellen, andererseits könne sie als junge Frau diese Erfahrungen noch gar nicht besitzen.

Irma verliebt sich in den jungen Studenten Nestor, der allerdings schnell eifersüchtig auf ihre Freier ist. Daher verwandelt sich Nestor in einer zweiten Rolle zu Monsieur Oscar, der – als angeblich wohlbetuchter Adliger – Irma aushält, damit sie von weiteren Freiern verschont bleibt. Diese Konstellation bedeutet für Goralczyk alias Nestor alias Oscar, sich oft innerhalb weniger Sekunden in die jeweils andere Rolle hineinzuversetzen. Auch wenn das Umziehen in die Handlung eingebaut wird, muss natürlich jeder Handgriff sitzen.

Hauptdarsteller kennen sich seit 10 Jahren

Da ist es gut, wenn sich zwei Schauspieler blind aufeinander verlassen können, so wie Josefin Ristau und Michael Goralczyk. Sie kennen sich seit zehn Jahren, als er bereits zum Ensemble des Theaters Neubrandenburg/Neustrelitz gehörte und sie, gleich nach dem Abitur in Neubrandenburg, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Theater absolvierte. „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sagt Josefin Ristau.

Nach ihrer Ausbildung kehrte sie über das Staatstheater Schwerin 2016 zurück an das Theater ihrer alten Heimat. Seitdem sind die beiden immer wieder als Paar besetzt worden: Als Helena und Paris in „Die schöne Helena“, als Prinzessin und König in „König Drosselbart“ oder im „Jedermann“.

Was schätzen die beiden aneinander? Josefine Ristau lacht los und macht einen Scherz. „Das ist jetzt aber nicht für die Zeitung! Wir haben auf jeden Fall einen ähnlichen Humor.“ Es bereite ihr immer wieder viel Spaß, mit dem Kollegen zusammenzuarbeiten. „Wir können sehr gut miteinander spielen und sprechen. Es ist eine Vertrautheit da“, sagt Josefin Ristau über ihren Schauspiel-Partner. Das Timing zwischen beiden stimmt, was vor allem beim Zusammenspiel wichtig ist, wenn jedes Wort, jede Pause und jeder Anschluss passen muss. „Ich mag ihre Offenheit“, sagt Goralczyk. Und, nicht zu vergessen, sie singe natürlich wunderbar.

Verwickelte Liebesgeschichte im Pariser "Milieu"

„Irma la Douce“ wird insbesondere von der verwickelten Liebesgeschichte zwischen Irma und Nestor getragen. Das Musical bietet aber auch Raum für die anderen Darsteller aus dem Pariser „Milieu“ leichter Mädchen und Krimineller, in dem das „einzige Verbrechen darin besteht, erwischt zu werden“, wie der durch das Stück führende Erzähler Benjamin Muth zu Beginn ankündigt.

Der Saal des Schauspielhauses wird erneut komplett neu gestaltet. Bühne und Zuschauerraum mit Pariser Flair verbinden sich miteinander. Wer dicht am quer durch den Saal laufenden Steg Platz nimmt, sitzt nur einen Meter vom Geschehen entfernt. Das ist Theater, das Spaß macht, was sich auch herumgesprochen hat. Der Kartenvorverkauf für das 6. Sommerspektakel läuft wie geschnitten Brot. Noch nie wurden vor der Premiere so viele Tickets an den Mann gebracht. Für die meisten Vorstellungen gibt es bis auf den Herrentag und Pfingsten nur noch einige Restkarten.

 

Premiere (ausverkauft) am 24. Mai um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Neubrandenburg. Letzte Vorstellung 23. Juni um 18 Uhr. Karten im Schauspielhaus und beim Nordkurier in Neubrandenburg (Engelsring 29, Turmstraße 13).

Frank Wilhelm, Redakteur beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

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Fotos: TOG