"Erichs Lampenladen" erleuchtet Rostock

Diese Lampen hingen im Palast der Republik.
Palast der Republik wieder da

"Erichs Lampenladen" erleuchtet Rostock

von: Frank Wilhelm
3. Juni 2019

Der längst abgerissene Palast der Republik lebt – in den Erinnerungen vieler Menschen, im Internet sowie in Kunst und Kultur. Das zeigt eine Ausstellung in der Hansestadt Rostock. Dafür wurde die Kunsthalle umgestaltet.

Wer Spuren des vor mehr als zehn Jahren abgerissenen Palastes der Republik sucht, kann überall fündig werden. Beispielsweise im Hotel Burghof in Oberweißbach, tief im Thüringer Wald. Wenn der Kaffee-Gast genau hinschaut, erkennt er an den metallenen Zuckerdosen die geschwungenen, eingravierten Buchstaben „PdR“. Der in der Bundesrepublik sozialisierte Bürger wird höchstwahrscheinlich darüber hinweglesen. Bei vielen Ostdeutschen jenseits der 50 dürfte sich dagegen ein Aha-Effekt einstellen. „PdR, das heißt doch Palast der Republik?“ Genau, bestätigt der Hotelbetreiber. Er hatte seinerzeit diverse Utensilien erworben, als das vor dem Abriss stehende Gebäude leergeräumt wurde.

Palast der Republik lebt online weiter

Der Palast lebt, auch im Internet, wo Interessenten diverse Artikel erwerben können, die aus den Restaurants und Cafés des Hauses stammen, das bei den DDR-Bürgern sehr beliebt war, zugleich aber auch mit Spott belegt wurde. Als „Erichs Lampenladen“ oder „Palazzo Prozzo“ wurde das 1976 eröffnete Gebäude bezeichnet, das zugleich Touristenmagnet, Tagungsgebäude der Volkskammer und ein Veranstaltungszentrum mit mehreren Sälen und einer Bowlingbahn war. Andere witzelten über den „Ballast der Republik“, was angesichts der immensen Baukosten von bis zu einer Milliarde Ostmark nahelag.
Im Grunde genommen handelte es sich um „Volkseigentum“, was viele Gäste wörtlich nahmen. Der eine oder andere Besucher ließ etwas mitgehen, so dass keine Gewähr für alle im Internet angebotenen PdR-Stücke gegeben werden kann. Wer sucht, wird jedenfalls schnell fündig, ob bei einer Suppentasse mit Goldrand (18 Euro), 30 originalen Papierservietten mit Palast-Signet (25 Euro) oder aber sechs Edelstahl-Eisbechern. Die kosten zwar stolze 200 Euro, würden aber wunderbar zu der Oberweißbacher Zuckerdose passen.

Abriss war nicht unumstritten

Am Palast der Republik in Ost-Berlin schieden sich von Beginn an die Geister: Für die einen war er das wohl wichtigste und ästhetischste Bauwerk der DDR, für andere der Hort der Diktatur. Für sie war es eine Wohltat, als er 2008 endgültig abgerissen war. Und dann gab es Leute wie Jörg-Uwe Neumann, der als Jugendlicher mit seinen Kumpels dahin ging, wenn es regnete. „Der Palast war ja bis tief in die Nacht offen.“ Heute ist der inzwischen 58-jährige Neumann Chef der Rostocker Kunsthalle und ließ sich vom Palast inspirieren.

Ende Mai wurde in Rostock die Ausstellung „Palast der Republik – Utopie, Inspiration, Politikum“ eröffnet. Zu sehen sind Kunstwerke und Ausstattungsstücke, die bei vielen Besuchern Erinnerungen auslösen werden. So zum Beispiel die vier riesigen Gemälde von Willi Sitte, Bernhard Heisig oder Ronald Paris. Sie hingen mit zwölf anderen Großformaten im Foyer. „Allesamt Auftragswerke unter dem Titel ‚Dürfen Kommunisten träumen‘“, sagt die Ausstellungskuratorin Elke Neumann. Dieser Auftrag habe eine große Bandbreite an Themen offeriert, was in der Rostocker Ausstellung auch quantitativ deutlich werde.
Die Bilder sind so schwer, dass ein Kran nötig war, um sie an ihren Platz zu befördern. Für die Ausstellung wurde auch das Äußere der Kunsthalle verändert. Die Künstlerin Bettina Pousttchi hat eine Schwarz-Weiß-Installation des Palasts angebracht. Nur dort, wo früher Hammer und Sichel prangten, ist heute eine Uhr zu sehen.

Fotos und Geschichten gesucht

Außerhalb der Halle ist ein Teil eines ursprünglich rund 15 Meter langen Reliefs „Lob des Kommunismus“ des Bildhauers Jo Jastram aufgestellt. „Als der Palast geschrottet war, wurde das Relief abgerissen, zersägt und eingelagert. Teile wurden geklaut“, berichtet der Kunsthallenchef über diesen „rabiaten Umgang mit Kunst“. Neumann wünscht sich, dass möglichst viele Menschen ihre Fotografien oder Geschichten rund um den Palast an die Kunsthalle schicken. Einmal im Monat soll es einen „Palastabend“ geben. Dann wird auch die runde Originalbar geöffnet, die spektakulär im sogenannten White Cube der Kunsthalle aufgestellt ist. Mit dem Abstand von 30 Jahren nach dem Mauerfall gebe es viel zu diskutieren. „Wir wollen rumrütteln – denn der Kapitalismus hat nicht auf alle Fragen eine Antwort“, sagt er. Apropos Kapitalismus: Der Abriss des Palastes war jahrelang ein Politikum. Ein Kampffeld zwischen Ost und West, zwischen glühenden Anhängern und Feinden der DDR. Viele Abriss-Gegner verdrängten jedoch, dass es die SED-Führung war, die das im Krieg zerstörte, durchaus aber wiederaufbaufähige, Stadtschloss 1950 wegsprengen ließ. Mittlerweile erhebt sich dort der Nachbau des Stadtschlosses, in dem ab Ende 2019 nach und nach das Humboldtforum eröffnet.

Das zeigt die Rostocker Ausstellung

Vielleicht ist es für die Palast-Fans ein Trost, das dann auch verschiedene Utensilien vom „Palazzo Prozzo“ zu sehen sein werden. Beispielsweise die gläserne Wahlurne der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer, goldberandete Teller, Teile der Beleuchtungskonstruktion aber auch Überwachungsmonitore der Stasi.

Die Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle ist bis zum 13. Oktober 2019 zu sehen. Parallel dazu läuft die Ausstellung „50 Jahre Kunsthalle“, ebenfalls mit viel DDR-Kunst.

Blick auf den Palast der Republik, dem Parlament der ehemaligen DDR, in dem die Volkskammer tagte.
Frank Wilhelm, Redakteur beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

Verfasser

Fotos: Bernd Wüstneck