Revolverheld in Neubrandenburg

Revolverheld kommen erstmals nach Neubrandenburg.
Vier Kumpels bleiben sich treu

Revolverheld in Neubrandenburg

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20. März 2019

In diesem Jahr spielt die Band Revolverheld erstmals in Neubrandenburg. Jörg Franze blickt im Gespräch mit Schlagzeuger Jakob Sinn auf das Event voraus und auf die Karriere der Band zurück.

Ihr habt eine Club-Tour zum neuen Album „Zimmer mit Blick“ hinter euch, eine Arena-Tour durch große Hallen vor Euch – ist das Konzert in Neubrandenburg da überhaupt schon ein Thema für Euch?

Ehrlich gesagt nicht. Gedanklich sind wir noch gar nicht im Sommer. Das liegt aber nicht an Neubrandenburg, sondern daran, dass wir jetzt voll in der Arena-Tour stecken, die am 14. März losgegangen ist. Wir haben zum Jahreswechsel noch mal ein bisschen abgeschaltet, Kraft getankt, und freuen uns jetzt darauf, dass es für uns auf die Bühnen geht.

Wenn der Juni und damit Euer Auftritt in Neubrandenburg heranrückt, schaut Ihr bei neuen Auftrittsorten dann aber vorher doch mal nach, was das für eine Stadt ist?

Klar. Wenn wir um ein Konzert herum etwas Zeit haben, gucken wir uns an den Auftrittsorten gern ein bisschen um. Das ist ja einer der schönen Aspekte an unserem Beruf – dass wir viele Orte sehen, an die wir sonst vielleicht nicht gekommen wären. Und dann will man auch das Umfeld ein bisschen entdecken.

Da hätten wir zum Beispiel einen See zu bieten, direkt am Konzertgelände gelegen.

Das klingt doch gut. Nutzen wir bestimmt, wenn wir die Zeit dazu haben. Ich gehe aber auch gern mal in ein Museum. Uns interessiert jedenfalls, wo wir sind und was für Menschen dort leben. Wir spielen ja auf den Konzerten nicht stumpf unsere Songs runter, sondern wollen mit dem Publikum was kreieren, ein gemeinsames Erlebnis schaffen.

Das heißt, jedes Eurer Konzerte ist ein bisschen anders?

Die Setlist steht im wesentlichen vor so einer Tour, aber unser Sänger Johannes erzählt dem Publikum gern ein bisschen was. Wenn wir tagsüber in Neubrandenburg irgendwas erleben, dann macht er das gleich zum Thema. Dieses Mit- einander von uns auf der Bühne und den Leuten davor – das sind ja die Momente, die so ein Konzert einzigartig und besonders machen.

Ihr habt Euch ja auch einen Ruf als Liveband erspielt. Wenn man euch auf der Bühne erlebt, scheint Ihr Spaß zu haben an eurem „Job“. Und dieser Funke springt dann auf die Leute über.

Das ist ja auch der Grund, warum wir das machen. Wir haben auch Spaß im Studio, wenn wir neue Songs kreieren. In erster Linie wollen wir aber auf der Bühne stehen, das machen, was wir lieben – nämlich Musik. Wenn dann das Publikum mitgeht, mitsingt, wird so ein Abend zum ganz besonderen Erlebnis, auch für uns als Band.

Das klingt immer noch mehr nach vier Jungs, die Spaß haben wollen und nicht nach gut 15 Jahren Karriere im Musikgeschäft, auf die Revolverheld inzwischen zurückblickt. Seid Ihr immer noch Kumpels, oder geht man sich inzwischen manchmal auch echt „auf den Sack“?

Ach, es gehört zu jeder Freundschaft, dass man sich mal „auf den Sack“ geht. Wir haben als Kumpels angefangen, Musik zu machen. Und so ist es bis heute geblieben. Mittlerweile kennen wir uns so gut, wenn jemand mal einen Ausraster hat oder Zeit für sich benötigt, können wir das ganz gut einordnen. Wir sind ja so verrückt: Wenn wir mal nicht zusammen musikalisch unterwegs sind, verbringen wir trotzdem ab und zu Zeit miteinander. Wir haben im Zeitraum unserer Karriere einige andere Bands kommen und gehen sehen, bei denen es dann vielleicht nicht so gepasst hat oder doch nur eine Zweckgemeinschaft war.

Auch Fußball bringt Euch nicht auseinander? Denn Sänger Johannes ist ja Bremen-Fan, Du bist eiserner HSV-Anhänger.

Na ja. Jetzt ist das Thema etwas entspannter, beide Teams spielen ja in unterschiedliche Ligen. Aber die Jahre vorher, wenn zweimal im Jahr Derby war, ruhte die Freundschaft für 90 Minuten. Und bei Entscheidungen gegen die eigene Mannschaft haben wir uns durchaus gefetzt. Aber wir sind uns ja in unserer Leidenschaft für Fußball einig. Und mit den Jahren wird man da auch etwas ruhiger. (lacht)

Kommen wir noch mal zur Musik, zum aktuellen Album „Zimmer mit Blick“. Ihr klingt vielleicht etwas poppiger als auf früheren Werken. Seht Ihr das als Vorwurf oder sind euch Schubladen egal?

Wen uns jemand einsortieren will, soll er das machen. Wir haben eigentlich schon immer poppige Melodien gehabt und haben auch kein Problem, das zuzugeben. Wir hatten ja vor „Zimmer mit Blick“ einen MTV-Unplugged-Auftritt und ein MTV-Unplugged-Album. Das hat Spaß gemacht, aber jetzt wollten wir wieder mal die E-Gitarre anstöpseln und auch ein paar andere elektronische Spielereien dazu packen. So sind vielleicht ’n paar mehr Synthesizer oder E-Drums auf der Scheibe gelandet. Das klingt für einige vielleicht etwas elektronischer oder poppiger, aber der Sound ist genau das, was wir angestrebt haben.

Wie muss man sich denn den Entstehungsprozess von Songs bei Euch vorstellen. Macht Ihr alles gemeinsam oder gibt einer den Ton vor?

Unsere beiden Haupt-Songwriter, also Johannes und Gitarrist „Kris“, kommen meist mit einer Grundidee. Dann diskutieren wir in der Runde darüber, ob wir alle damit leben können, ob es uns widerspiegelt. Und dann arbeiten wir gemeinsam an dem Material und gucken, ob es ein Revolverheld-Song ist oder doch nicht zu uns passt. Vor jedem Album kommt so einiges an Stücken zusammen, manches landet dann halt in der Tonne. Aber dieser Entstehungsprozess, auch die Diskussionen über die Songs, das macht eine Band aus, zumindest uns.

Im Song „Zimmer mit Blick“ werdet Ihr ein bisschen politischer, greift das Zeitgeschehen auf. Ansonsten handeln Eure Texte oft über Zwischenmenschliches, über Beziehungen. Ist es das, was Euer Publikum von Euch erwartet?

In erster Linie geht es in unseren Texten um Themen, die uns beschäftigen. Glücklicherweise deckt sich das oft auch mit dem Interesse unserer Hörer. Es ist nicht so, dass wir Songs machen, damit es bestimmten Leuten gefällt. Wir wollen uns in unseren Liedern wiederfinden und wir werden älter, also verändern sich auch unsere Interessen und Erfahrungen. Wir waren auch immer schon politisch, haben Stellung bezogen, wenn wir gefragt wurden. „Zimmer mit Blick“ ist ein Ausdruck dessen, was uns derzeit bewegt. Aber wir wollen nicht mit Parolen oder dem Zeigefinger arbeiten, sondern haben vielleicht einen anderen Ansatz. Wir wollen Leute nicht belehren, sondern geben ihnen mit den Songs einen Einblick, was uns bewegt.

Neben der Musik ist Fotografieren Deine Leidenschaft. Nimmst Du die Kamera mit auf Tour und bist mit ihr in Neubrandenburg unterwegs?

Das Gute an der Fotografie ist ja, dass sie sich mit meinem Leben als Musiker ganz gut verbinden lässt. Die Kamera habe ich natürlich dabei. Wenn es um meinen künstlerischen Ansatz geht, fotografiere ich ausschließlich analog, das geht mit dem Handy nicht. Wenn es zeitlich passt, guck ich mir auch Neubrandenburg an und suche nach interessanten Motiven.


Revolverheld spielt am 15. Juni im Kulturpark Neubrandenburg.
Karten gibt es unter anderem in den Neubrandenburger Nordkurier-Servicepunkten im Medienhaus am Friedrich-Engels-Ring 29 und in der Turmstr. 13 oder telefonisch unter 0800 4575033 (Anruf kostenfrei).

Verfasser

Text:

Fotos: Benedikt Schnermann