Umweltschutz mit Pfandbechern

Warens Bürgermeister Norbert Möller und Backstuben-Chefin Christina Kohn haben die Pfandbecher gleich getestet.
Mehrwegsystem für Kaffeebecher

Umweltschutz mit Pfandbechern

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25. April 2019

Die Mecklenburger Backstuben sind Vorreiter beim Umweltschutz. Denn das Unternehmen führt ein Pfandbechersystem für „Coffee to go“-Trinker ein. Statt Pappe gibt’s bunte Mehrwegbecher – und Rabatte.

Wer vor einigen Jahren gedacht hatte, dass Coffee to go nur eine kurzweilige New Yorker Lifestyle-Episode ist, die bald wieder verschwindet, lag ziemlich daneben. Kaffee zum Mitnehmen im Becher ist sowohl in den Großstädten als auch in den Städten der Seenplatte nicht mehr wegzudenken. Trendig, aber auch nachhaltig – das ist der Weg, den die Mecklenburger Backstuben jetzt einschlagen, indem sie in 32 Filialen das Coffee-to-go Pfandsystem einführen.

Statt eines Pappbechers, der im besten Fall in einem Papierkorb landet, kann man ab sofort für einen Euro Pfand einen Becher kaufen und ihn später gegen einen sauberen eintauschen. Die Becher vom deutschen Hersteller Recup gibt es in drei verschiedenen Größen.

Ressourcenverschwendung durch Coffee to go Becher

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-Go Einwegbecher verbraucht. Das sind 320 000 Becher pro Stunde. Die meisten Becher bestehen aus Papierfasern und sind auf der Innenseite mit Plastik beschichtet, was das Recycling erschwert. Zudem ist die Herstellung der Becher für den kurzen Genuss eine enorme Ressourcenverschwendung. Denn für die Papierherstellung der Einwegbecher werden jährlich 43 000 Bäume gefällt.

Warens Bürgermeister Norbert Möller ist darum froh, dass die Mecklenburger Backstuben die Initiative ergreifen. „Umweltschutz ist ein wichtiges Thema, gerade in unserem Heilbad“, sagt er. Die Mecklenburger Backstuben gehen mit den Pfandbechern in der Seenplatte voran. Für eine echte Veränderung braucht es aber möglichst viele Mitstreiter. Darum lädt Florian Tornow aus der Wirtschaftsförderung der Stadt am 11. April um 18.30 Uhr Unternehmen von der Müritz ein, die Heißgetränke, aber auch Cocktails ausschenken, um sie mit ins Boot zu holen.

Denn mit 30 Ausgabestellen könnte die Idee umgesetzt werden, eine Becheredition mit Warener Schattenriss in Auftrag zu geben. Sechs Backstuben-Filialen in Waren sind schon ein erster Anfang. Als Souvenir von der Müritz seien die Warener Becher aber nicht gedacht, mahnt Norbert Möller, denn schließlich sollen die Pfandbecher ja stets zurückgebracht werden. In Greifswald habe es schon so einen Effekt gegeben, dass die Becher schnell Kult waren und zwei Tage nach der Einführung schon in Größenordnungen nachbestellt werden mussten.

Rabatt durch Pfandbecher

Wer sich seinen Kaffee oder Kakao bei den Backstuben in einen Pfandbecher füllen lässt, bekommt zudem einen Rabatt von zehn Cent, wirbt Backstuben-Chefin Christina Kohn. Dass die Kunden bald mit mintgrünen oder schokobraunen Recup-Pfandbechern ohne Backstuben-Logo herumlaufen, sei aus Marketingsicht natürlich ein kleiner Nachteil. „Den Preis zahlen wir für den Umweltschutz aber gern“, sagt sie.

Norbert Möller möchte die Pfandbecher-Revolution unterstützen, indem die Stadt 2200 Euro als Anschubfinanzierung für Pfandbecher sponsert. Diese Idee wurde bereits im Umweltausschuss der Warener Stadtvertretung vorgestellt und diskutiert. Die Mitglieder begrüßten die Idee grundsätzlich. Aber ob die Stadt selbst 2200 Becher kauft und den kleinen Filialen so die Auslage des Pfandes zu 100 Prozent fördert, oder ob die Stadt für die sechs kleinsten oder die ersten sechs Unternehmen die Systemgebühr für ein Jahr bezahlt, ist noch offen. Dazu haben die Mitglieder des Umweltausschusses noch keine Entscheidung getroffen.

Bundesweit gibt es etwa 2000 Ausgabestellen für die Recup-Becher. Die sind online zu finden. Einige Geschäfte werben auch mit Aufstellern.

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Fotos: Ingmar Nehls