Woher kommt der Nachname Klünder?

Die Klünders wohnen sehr idyllisch unweit des Unteruckersees.
Namensforschung

Woher kommt der Nachname Klünder?

von: Dana Skierke
15. Juli 2019

Mit Ahnenforschung hat Werner Klünder nichts am Hut. Ihm sind die Lebenden näher als die Toten. Aber wie sein Name entstanden ist, das hat ihn dann doch interessiert.

Eine Überraschung war es nicht für Werner Klünder. „Das habe ich mir schon gedacht, ich habe das irgendwo gelesen“, so der Röpersdorfer. Die Analyse seines Namens jetzt aber in den Händen zu halten, freut den Rentner trotzdem riesig.  Und das hat Professor Udolph vom Zentrum für Namenforschung herausgefunden: „Der Name Klünder basiert auf dem mittelniederdeutschen Verb klunderen ,Lärm machen, poltern‘ und ist als Übername – also ursprünglicher Spitzname – für einen oft lauten, vielleicht auch streitlustigen Menschen zu verstehen. In den Übernamen, die auf Neck- und Spottnamen zurückgehen, spiegeln sich vielfach menschliche Schwächen wider.“

Ein lauter oder gar streitsüchtiger Mensch ist der 82-Jährige nicht. Diese Eigenarten sind nicht an ihn weitergegeben worden. Generell Ahnenforschung zu betreiben, Informationen zu bekommen über Personen, die schon lange nicht mehr leben, ist es nicht, was Werner Klünder interessiert. Viel lieber erinnert er sich an Menschen in seiner Familie, die ihn begleitet haben.

Als Junge verlor er die Schwester und den Vater

„Mich hat sehr interessiert, wie unser Name entstanden ist, alles andere finde ich nicht so wichtig“, sagt der Röpersdorfer. Nichtsdestotrotz hat auch Werner Klünder eine spannende Vergangenheit. Die auch mit Kriegserlebnissen behaftet ist. An den Vater hat der gebürtige Greifswalder kaum Erinnerungen, er fiel im Krieg. Die 14-jährige Schwester starb 1945 an Diphtherie. Aus Angst vor der Roten Armee flüchteten Werner Klünder und seine Mutter zum Großvater nach Mesekenhagen und erlebten dort alles Schlechte, was man mit Krieg in Verbindung bringt. Später zog die Familie nach Gristow zum Bruder des gefallenen Vaters.

Der Röpersdorfer besuchte die dorftypische Zwei-Klassen-Schule. Klasse 1 bis 4 und Klasse 5 bis 8, so war das damals. „Wir hatten Glück, es kam ein moderner Lehrer, den mochten wir“, erinnert sich der 82-Jährige. Der zweite, ein älterer Lehrer, war grob zu den Kindern. 1950 wurde der junge Klünder aus der Schule entlassen und arbeitete in der Bauernwirtschaft seines Onkels. „Die Arbeit hat mir nichts ausgemacht, aber ich wollte kein Bauer sein“, hat er früh gemerkt.

Das war 1956. Damals gab es nur zwei Möglichkeiten: Hochseefischerei oder NVA. Der Röpersdorfer entschied sich für letzteres und besuchte die Offiziersschule. Nach drei Jahren war Schluss, eine Erkrankung beendete die Armeelaufbahn. Dann kam ein Angebot, das beruflich richtungweisend für den jungen Mann wurde. Klünder begann in Bad Berka eine Ausbildung zum Medizinisch-technischen Assistenten, genauer zum Röntgenassistenten. „Die Ausbildung war sehr gut, der Beruf hat mir immer Spaß gemacht“, sagt der Ruheständler, der dort in Thüringen auch seine Ehefrau Annegrit kennengelernt hat. Die Kinderkrankenschwester und der Röntgenassistent waren dann auf der Suche nach einer Arbeitsstelle mit Wohnung. Zu DDR-Zeiten eine Herausforderung. Beides fand sich schließlich in Dömitz an der Elbe.

Wegen der Nähe zur innerdeutschen Grenze lag der Ort im Sperrgebiet, in das die Klünders nur mit einem Passierschein einreisen durften. Gewohnt hat das Paar im Sperrbezirk, gearbeitet in einem Krankenhaus außerhalb. Wie alle „Sperrbezirkler“, die außerhalb tätig waren, erlebten die Klünders das tägliche Öffnen des Schlagbaumes bei der „Ein- und Ausreise“. Als reiselustige Leute, die sie auch heute noch sind, zogen die Klünders von Dömitz nach Spremberg und von dort nach Prenzlau. In Spremberg wurde ihr Sohn geboren.

Er dürfte vielen Prenzlauern bekannt sein

In Prenzlau arbeitete Werner Klünder ab 1967 zunächst in der Poliklinik, bis man ihm die Stelle im Kreiskrankenhaus anbot. Viele Prenzlauer werden sich an den großen Mann mit Schnauzbart in der Röntgenabteilung erinnern. „Die Arbeit dort war sehr interessant, ich musste nicht mehr nur Finger und Sprunggelenke röntgen“, erinnert sich der Senior.

Die Technik damals sei im Vergleich zu heute natürlich rückständig gewesen. Echte Handarbeit. Verschiedene Hebel mussten bedient werden, um das Gerät in Gang zu setzen. „Die großen Platten wurden durch uns entwickelt, sie wurden gewässert, anschließend getrocknet, das war sehr aufwendig“, erläutert der Fachmann, der mit dem Vorgang des Röntgens aufgewachsen ist. Die Mutter von Werner Klünder hatte Tuberkulose, deshalb wurde die Familie jedes halbe Jahr „durchleuchtet“.

Dafür ging es nach Greifswald. Es gab eine Männer- und eine Frauenkabine. „Ich habe mich als Junge immer vorgedrängelt, sodass ich zuerst dran war und anschließend dem Arzt über die Schulter schauen konnte“, berichtet der Röpersdorfer, der damals nicht ahnte, dass er selbst mal mit einem Röntgenapparat arbeiten würde. Und dass für den Greifswalder, seine Frau und für den Sohn die Uckermark zur Heimat werden würde. 1993 sind Annegrit und Werner Klünder in ihren Bungalow nach Röpersdorf an den Unteruckersee gezogen. Reisen ist immer noch ein beliebtes Hobby der beiden. Gern fahren die Enkelsöhne, elf und acht Jahre alt, mit. Demnächst geht es in den Harz.

Dana Skierke, Redakteurin beim Nordkurier-Magazin Zuhause.

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Dana Skierke
Fotos: Dana Skierke