Baudenkmal
Ein Wolkenkratzer aus Backsteinen: Der Schweriner Dom
Schwerin • Lesedauer: 4 min

Na klar, das Schweriner Schloss ist DAS Märchenschloss überhaupt, da kommt höchstens Neuschwanstein noch mit. Also lenkt der Besucher der mecklenburgischen Landeshauptstadt seine ersten Schritte hin zur romantischen Insel mit dem romantischen Schloss. Muss er aber nicht!
Schweriner Dom: Denkmal mit Wolkenkratzer-Qualitäten
Denn in der Metropole im Westen Mecklenburg-Vorpommerns gibt es ein viel älteres und ebenso interessantes Gebäude. Und das hat sogar Wolkenkratzer-Qualitäten, die der Stadtbesucher unbedingt nutzen sollte: Es geht um den Schweriner Dom. Er ist das einzige mittelalterliche Baudenkmal der Landeshauptstadt, das die Jahrhunderte überdauerte. Fast 200 Jahre, von 1272 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, war der Domhügel die größte Baustelle der Stadt.

Ein Blutstropfen Christi kam nach Schwerin
Der erste Dom, den noch Heinrich der Löwe geweiht hatte, musste bis auf den Turm vollständig niedergerissen werden, ein neuer Dom wurde errichtet, weil der alte einfach nicht mehr groß und schön genug war… Dazu kam, dass Graf Heinrich von Schwerin im Jahre 1222 von einem Kreuzzug nach Ägypten einen in Jaspis eingeschlossenen Blutstropfen Christi mitgebracht hatte, der dem Bischof Burgward zur Aufbewahrung in der gräflichen Grabkapelle übergeben worden war.
Noch mal zum Thema Wolkenkratzer: Der Turm des Doms strebt 117,5 Meter in die Höhe und ist damit der höchste Kirchturm von ganz Mecklenburg-Vorpommern. Manche sagen sogar ganz Ostdeutschlands. Wie dem auch sei, wer die 220 Stufen des Turms erklimmt, den empfängt in 50 Metern Höhe ein atemberaubender Blick über die Schweriner Seenlandschaft. Der Turm ist übrigens weit jünger als der Dom, er entstand als neugotisches Bauwerk erst in den Jahren von 1889 bis 1893.

Schweriner Dom im Stil französischer Kathedralen
Vorbilder für die Baumeister des Schweriner Doms fanden sich in den Kirchenbauten in Lübeck (St. Marien) und Stralsund (St. Nikolai), die im Stil nordfranzösisch-flandrischen Kathedralen gebaut worden waren. Im gesamten 14. Jahrhundert wurde in Schwerin am Langhaus und Querhaus sowie an den Kapitelgebäuden gebaut.
Aber immer noch fehlte die Wölbung, als den bischöflichen Schweriner Baumeistern ein ungeheuerliches Ereignis in Stralsund zur Hilfe kam: Dort hatten einige Bürger drei Geistliche verbrannt. Als Sühne für diese Freveltat wurde den Stralsundern von einer päpstlichen Kommission auferlegt, ihre Bischofskirche, also den Schweriner Dom, vom Chor bis zum Turm auf eigene Kosten zu überwölben. Der Anbau des Kreuzganges auf der Nordseite vollendete gegen Ende des 15. Jahrhunderts das mittelalterliche Bauwerk.

Staunend stehen heute die Besucher auch im Innern des gewaltigen Bauwerkes unter dem 28 Meter hohen Mittelschiffgewölbe, vor dem schönen spätgotischen Flügelaltar aus einer lübschen Werkstatt, bewundern die holzgeschnitzten Madonnen und die aus Messing gefertigten Grabplatten für vier Schweriner Bischöfe aus dem Geschlecht der von Bülows und genießen schließlich den Blick über die Stadt der Seen und Wälder von der Aussichtsgalerie des Domturmes.

Uralte Glocken und eine prächtige Orgel
Auf dem Weg nach oben passiert der Besucher übrigens fünf Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1363 stammt. An der prächtigen Orgel des Baumeisters Ladegast mit ihren 5100 Zinnpfeifen spielen alljährlich Organisten aus aller Welt. Bemerkenswert sind auch die Grabmäler mehrerer Herzöge. Darunter die Ruhestätte von Großherzog Friedrich Franz II. sowie das Epitaph für Herzog Christoph von Mecklenburg und dessen Gemahlin Elisabeth von Schweden.
Der Dom überragt den Marktplatz von Schwerin und ist aus keiner Richtung zu verfehlen. Am besten benutzen Sie die Parkhäuser der Stadt (Fußweg rund 500 Meter) oder den nahen Parkplatz Grüne Straße.

Der Dom ist täglich geöffnet (montags bis sonnabends 11 bis 15 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 15 Uhr). Gottesdienste finden jeweils sonntags um 10 Uhr statt, vom Sonntag Kantate (4. Sonntag nach Ostern) bis zum Reformationstag im Dom, die übrige Zeit in der beheizbaren Thomaskapelle. Das Heilige Abendmahl wird in der Regel am ersten Sonntag eines Monats gefeiert, mit dem Angebot der Beichte vor dem Gottesdienst um 9.30 Uhr. Parallel zu jedem Gottesdienst wird jeden Sonntag ein Kindergottesdienst angeboten. Ein Kirchenkaffee gibt es nach dem Gottesdienst am letzten Sonntag eines Monats.
Infos zu Öffnungszeiten und Führungen unter Rufnummer 0385 565014. Weitere Informationen: www.schwerin.m-vp.de, www.schweriner.de, www.dom-schwerin.de, www.kirche-mv.de.
