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Geschichte

Auf Burg Penzlin wurden einst unschuldige Menschen zu Tode gefoltert

Penzlin Lesedauer: 3 min

Vor 500 Jahren war Mecklenburg ein Zentrum der Hexenverfolgung. Auf Burg Penzlin ist das Grauen bis heute nachvollziehbar.
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Die meisten Leute fahren auf der Umgehungsstraße einfach an Penzlin vorbei. Die gewaltige Kirche thront wie eine große Glucke über der kleinen Stadt an der B 192 zwischen Waren und Neubrandenburg – aber sonst? Warum sollte man hier anhalten? Zum Beispiel wegen Benigna Schultzen, die 1699 in Penzlin das Licht der Welt erblickte und auf der Burg Penzlin 1711 sieben Meter unter der Erde zu Tode gefoltert wurde. Todesfolter in Penzlin, so einem unscheinbaren Städtchen?

Ein Hexenkeller aus dem Mittelalter kann auf der Burg Penzlin besichtigt werden. Sieben Meter tief unter der Erde sind die Verliese samt Folterkammer.
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Ein Hexenkeller aus dem Mittelalter kann auf der Burg Penzlin besichtigt werden. Sieben Meter tief unter der Erde sind die Verliese samt Folterkammer. (Foto: Irmtraud Kittner)

Ganz Europa im Hexenwahn

Ja, denn hier wurde im Jahr 1560 ein sogenannter Hexenkeller gebaut – ein Folterverlies, sieben Meter unter dem Erdboden, in dem unzählige Menschen gequält wurden. Europa erlebte damals den grausamen Höhepunkt des Hexenwahns. Allein in Mecklenburg und im angrenzenden Vorpommern wurden von 1336 bis 1777 schätzungsweise 4000 Prozesse geführt, 2000 Menschen verurteilte man zum Tode. Eine von ihnen war Benigna Schultzen.

Burgen. Otto Normalverbraucher denkt dabei an das Rheinland, wo sich hoch über dem Strom eine Feste an die nächste reiht. Aber hier in der Mecklenburgischen Seenplatte? Der Otto Normalverbraucher, für den Flachland und Tiefland das gleiche sind, würde nie eine Burg in Mecklenburg vermuten. Aber es gibt sie – wie in Penzlin, wo die Burg auf einem hohen Hügel über der Stadt thront. Und genau dort, in der heute bestens gepflegten Anlage, erfährt der Besucher Interessantes, Erschütterndes, Grausames über Benigna Schultzen und ihre Leidens- und Todesgefährten.

Vermeintliche Hexen gequält

Hier mitten im Mecklenburg steht diese alte Burg für ein düsteres Kapitel der Geschichte, das unzähligen Menschen, vor allem Frauen, Leid und Tod brachte – es geht um Hexen und Folter. Tief unter der Erde der Penzliner Burg konnte niemand die Schreie der gepeinigten Seelen hören. Der Prozess, in dem Benigna Schultzen der Hexerei beschuldigt wurde, soll zwölf Jahre gedauert haben…

Die Burg Penzlin stammt aus dem 13. Jahrhundert. In der ansehnlichen Anlage aus rotem Backstein gibt es heute das „Hexen-Museum“. Das Hexenverlies sieben Meter unter der Burg ist gut erhalten. Ebenfalls in gutem Zustand sind der Palas, die ehemalige Toranlage, der Burghof, Teile der Ringmauer, der Graben und Teile der Vorburg. Heute beherbergt der Hauptbau das Museum.

Die Schwarzküche, auch „Hexenküche“ genannt, ist schwarz vom Rauch, der vom Herd zwölf Meter durch den Rauchfang nach oben stieg.
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Die Schwarzküche, auch „Hexenküche“ genannt, ist schwarz vom Rauch, der vom Herd zwölf Meter durch den Rauchfang nach oben stieg. (Foto: Irmtraud Kittner)

Hexenkeller: Schauplatz grausamer Gewalt

Neben vollständig restaurierten Räumen wie der mittelalterlichen Küche (Schwarzküche, „Hexenküche“) gibt es die Möglichkeit, Folterkammer und Hexenkeller anzusehen. Das ist nichts für schwache Nerven und ebenso nichts für Kinder. Folterkammer und Hexenkeller waren Schauplatz grausamer Gewalttaten im Namen des Glaubens, genau hier wurden Menschen gequält und getötet.

In diesen Kellern erwarten den Besucher Themen wie „Nur die im Dunkeln sieht man nicht. Geheimversteck der Hexentiere“, Der Fall Benigna Schultzen aus Penzlin (1699-1711), Hexenwandverliese und Nachrichten des Penzliner Chronisten Danneil. Und im Obergeschoss des Museums geht es zum Beispiel um Hexenjustiz, Hexenfurcht, Gerüchteküche, Penzliner Hexenprozess, Anklagen und Prozessfolgen, Mecklenburgische Sagen, Brunnen und Herd – magische Funde, Konstrukt Hexe – Kunst- und Ideengeschichte vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Hexenwelten des Künstlers Ernst Barlach (1870 bis 1938), Erzählte Hexenprozesse.

In diesem Wandverlies wurden die Frauen auf der Alten Burg Penzlin eingesperrt.
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In diesem Wandverlies wurden die Frauen auf der Alten Burg Penzlin eingesperrt. (Foto: Irmtraud Kittner)
Aus der Geschichte

Nicht die erste Burg der Stadt

Die Penzliner Burg, die auch unter dem Namen Burg Maltzan bekannt ist, wurde Anfang des 16. Jahrhunderts von Berend Maltzan (1452-1525) errichtet. Eine Werle-Burg gab es nachweisbar in Penzlin aber bereits im 13. Jahrhundert. Der Vorgängerbau wurde jedoch völlig zerstört, wobei umstritten ist, wo genau diese Burg stand.

Öffnungszeiten: Mai bis August täglich 10 bis 18 Uhr; April, September, Oktober täglich 10 bis 17 Uhr; November bis März Samstag und Sonntag 13 bis 16.30 Uhr; Gruppenanmeldungen jederzeit möglich

Kontakt: Tel. 03962 210494 oder Mail an [email protected]